Hollywood in der City? Stadtfeste planen und zum Erfolg bringen

Teil 1: Was Fest-Organisation und Film-Produktion gemeinsam haben:

 

Die Planung der großen Sommer-Stadtfeste läuft an vielen Orten gerade in diesen Tagen auf Hochtouren. Und: Das Ziel aller Stadtfest-Verantwortlichen ist sonnenklar. Wer tausende Menschen in seine Innenstadt einlädt, der will, dass alle sich erstklassig unterhalten fühlen. Mindestens.

Und was wünschen diese vielen Menschen sich auf ihrem Weg in die Festmeilen? Was erwarten sie? Zunächst einmal genau das. Und das dürfen sie auch - sie folgen ja in der Regel vollmundigen Einladungen und Ankündigungen.
Was aber ist, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden? Haben die Organisatoren zu viel versprochen? Hatte der Besucher einfach nicht die richtigen Vorstellungen? Können klare Zielsetzungen und Kommunikation helfen, Missverständnisse und Anspruchsdenken zu vermeiden?

Mit diesen Fragen möchte ich mich - beginnend mit diesem Eintrag - genauer auseinandersetzen.

Doch zuerst ein Blick über den Tellerrand oder:

Was Stadtfeste von Hollywood lernen können
Ich gehe einmal davon aus, dass die wenigsten Leser persönlich mit der Planung von öffentlichen Veranstaltungen betraut sind. Daher möchte ich hier einmal den Vergleich zur Filmbranche wagen, um die Abläufe genauer zu erklären. Denn ein Seitenblick in die Welt der Filmproduktionen zeigt viele Parallelen zur Planung von Stadtfesten - oder von Public Events ganz allgemein. Hollywood und Stadtfeste liegen tatsächlich näher beieinander als man auf Anhieb denken mag. Ein Vergleich kann also helfen, Zusammenhänge klarer zu sehen.

Blockbuster oder Filmkunst?

Filmfreunde wissen: Ein Regisseur, der versucht, allen zu gefallen, begeistert in der Regel niemanden. Blockbuster haben andere Rahmen und Ziele als Arthouse-Produktionen. Klare Festlegungen der Zielgruppen helfen nicht nur, sie sind eine Voraussetzung.

Ein Film, der im Vorfeld viel mehr verspricht als er halten kann, erhält selbstverständlich laute Kritik und Häme. Einer, der mit echten Überraschungen aufwartet, geht dagegen mit höherer Wahrscheinlichkeit „durch die Decke“.

Stadtfeste zeigen dabei häufig dasselbe Phänomen. Das Produktionsbudget und auch die gesetzten Ziele und Effekte müssen sehr klar abgesteckt und kommuniziert sein. Wird auf dieser Grundlage nichts versprochen, was nicht auch gehalten wird, werden gelungene Effekte und Überraschungen gern verinnerlicht. Fakt ist: Wie nach einer breit angekündigten Filmpremiere werden anschließend tausende Besucher über das Fest reden. Enttäuschung wird dabei ebenso offene Ohren finden wie Begeisterung.

Bei der Kinopremiere wie auch am Stadtfest-Wochenende gilt aber: Ob ein Blockbuster die Kraft entwickelt, zum Piloten einer Serie zu werden, entscheidet natürlich der Publikumserfolg - aber eben auch das Potenzial der erzählten Geschichte. Nicht jede Story hat das Potenzial, über Jahre mit immer neuen Überraschungen weiter erzählt zu werden.

In der Welt der Filme und Serien spielt zurzeit niemand so gekonnt mit dem Element der Überraschung wie George R.R. Martin in “Game of Thrones”. Auch wenn Fans sehr unterschiedlicher Meinung über die scheinbar wahllos sterbenden Heldenfiguren sind, konnte sich die Serie gerade hierdurch eine sehr starke Fanbase aufbauen. Kaum vorzustellen, wie der Erfolg dieser Serie zu bewerten wäre, wenn über mehrere Staffeln dieselbe Handlung wiederholt werden würde und nur bei schlechteren Quoten ein neuer Charakter eingeführt werden würde.

Soll eine Großveranstaltung wie ein Stadtfest über Jahre hinweg ein Publikumsmagnet bleiben, müssen ihre Besucher schon vor dem Flanieren sicher sein, dass es Neues und Unerwartetes zu erleben gibt. Wechselnde Besetzungen in den Hauptrollen, also z. B. in den Bühnenprogrammen sind nur wirksam, wenn auch die Nebenstränge für Überraschungen und Gesprächsstoff sorgen.
Eine flüssig erzählte Handlung setzt für das Stadtfest-Drehbuch voraus, dass neben den Action-Szenen auch die ruhigeren Nebenschauplätze mit Liebe zum Detail inszeniert werden. Dies ist planungs- und arbeitsintensiv und braucht vor allem Zeit.
In einer hiermit startenden „Serie“ möchte ich in Bezug auf Stadtfeste dabei folgenden Fragen tiefer auf den Grund fühlen:

  • Ist die mit einem Stadtfest verbundene große Aufmerksamkeit denn nun ein reiner Segen, - oder kann sie auch schnell zum Fluch werden?
  • Wer kann bei einer solchen Veranstaltung, wenn wir schon von Filmen sprechen, zum Helden werden?
  • Wer übernimmt die Produzentenrolle und damit die Endverantwortung?
  • Soll es ein „Blockbuster“ werden, doch eher Filmkunst oder vielleicht sogar beides?
  • Wer soll und muss den Film mögen?
  • Wer kann ein stimmiges „Drehbuch“ liefern, welches Förderer und Sponsoren überzeugt?
  • Welcher Regisseur setzt es um, hat ein Händchen für die Besetzung, weiß was man darf, was man braucht, wer es hat und was möglich ist?
  • Wer wacht über Zeitplanung und Budget?
  • Soll das Format in Serie gehen? Wer sollte am Ende gewinnen? Wer darf dabei mitreden und mitentscheiden?

 

  • Und - besser früh als ganz zuletzt die ganz wesentliche Frage:
    - Warum überhaupt? – und
    - ist „das haben wir schon immer so gemacht, das wird auch weiter funktionieren“ wirklich eine mögliche Antwort auf diese Frage?

Was ist eigentlich kalkulierbar, was eher nicht? Gut, auch darüber einmal zu sprechen. Unser Film wird ja schließlich im Open-Air-Kino gezeigt, bei mitteldeutschem Wetter.

Der Serien - Pilot:
Die oben stehenden Fragen sollen nach diesem Auftakt der Serie zu Themen zur Planung, Organisation und Durchführung von Stadtfesten beantwortet werden. Wer hierfür keinerlei Leidenschaft - nicht einmal als Festbesucher - hat, dem könnten beim weiteren Lesen schnell die Schleimhäute austrocknen. Alle anderen laden wir im Team hiermit zur regen Diskussion ein. Unsere Meinung wird sicher nicht von jedem geteilt und über Geschmäcker kann und soll man nicht streiten, deshalb sind wir auf Ihre Meinung gespannt.

Und nun ab in die Planungsrunde – bis bald und
herzliche Grüße
Ihr
Maik Herrmann

 

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