Virtuelle und Hybride Events #FOMO#JOMO

Foto: Herrmann Event Kommunikation

Zwei Zahlen haben mich heute wirklich fasziniert. Deshalb möchte ich nun doch zwei Begriffe ansprechen, die für Einige sicher noch neu und faszinierend sein werden:

#FOMO und #JOMO

Doch zuerst zu diesen Zahlen:

1.      Welchen Anteil seiner wertvollen Zeit verbringt bzw. verbrachte ein CEO – vor der Pandemie – im Schnitt aktiv in Meetings? Lt. Harvard Business Review sind es sagenhafte

72%.

2.      Wie hoch ist im Schnitt der Anteil von angemeldeten Teilnehmern eines Gratis-Webinars, die tatsächlich teilnehmen? Es sind sagenhafte

20%.

Was haben nun die Modebegriffe

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hiermit zu tun?

Der Reihe nach: #FOMO ist im Marketing ein Kurzwort für „fear of missing out“ (=Die Angst, etwas zu verpassen). Glücklich ist also, wer schon heute ein virtuelles oder hybrides Event anbieten kann, das über diesen magischen Faktor verfügt. Wer Menschen in seiner Zielgruppe das Gefühl vermitteln kann, ohne das Dabeisein etwas zu verpassen, verfügt automatisch etwas Unbezahlbares:

Teilnehmer, Zuschauer, Gäste – im Kontext sind dies ja Interessenten, Kunden, Meinungsbildner, Multiplikatoren…

Das Ganze wurde in der Branche, besonders in der Zielgruppe, schnell zu wörtlich genommen – denn wer hat schon gern Angst (Fear)? Nun ja, gemeint war ein positiver Anreiz…

Der Gegentrend aus Sicht der so Anvisierten ließ also nicht lange auf sich warten – #JOMO: „joy of missing out“. Jomo – Anhänger brüsten sich also damit, Angebote (hier: Einladungen zu online-Events) nicht anzunehmen.

Über Qualität von Inhalten als Grundvoraussetzung müssen wir ja nicht streiten – doch was nützt der beste Content, das beste Online-Event, wenn die Zielgruppe ihn nicht wahrnimmt?

Wenn nun ein CEO vor der Pandemie im Schnitt 72% seiner Zeit (s. o.) in Meetings verbrachte, wird sich dieser Anteil durch die Digitalisierung in der Kommunikation in naher Zukunft eher noch vergrößern. Dazu kommt in Addition schließlich die Zeit, die früher für weitere klassische Events verwendet wurde (Messebesuche, Produktpräsentationen, Jubiläumsveranstaltungen) – sie alle werden gerade ebenso virtuell. Die Veranstalter bitten mit aller Energie um Ihre Aufmerksamkeit und Bildschirmzeit.

Und – ja, auch ich bin mir bewusst über die eingesparte Reise- und sonstige Präsenzzeit im Vergleich zu Live-Konferenzen und Festakten. Diese konnte ich aber im Zug arbeitend, lesend oder entspannend nutzen und bei Autofahrten podcasts hören, telefonieren oder einfach mit mir verbringen. Die Anzahl von Online-Veranstaltungen, an denen ich stattdessen am Stück hintereinander bei Bewusstsein teilnehmen kann, bleibt trotzdem begrenzt.

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Wenn nun der – quer durch alle Hierarchien gemessene – Anteil von Menschen, die nach einem ersten Aufmerksamkeitstreffer (=Anmeldung) tatsächlich bei einem online-Angebot anwesend sind bei 20% liegt, ist dies ein klarer Auftrag:

Veranstalter müssen sich deutlich mehr Gedanken machen, wie sie ihre Zielgruppen in die Teilnahme an virtuellen Veranstaltungen bringen.

Und ist dieser Coup gelungen, wird es erst richtig spannend – denn wer seine Gäste nun nicht wirklich begeistert, wird es schwer haben, sie zurückzugewinnen. Ist bei einem klassischen Event mal ein Grußwort oder eine keynote zu lang, ist dies beim Small-Talk am Buffet schnell wieder vergeben. Selbst ein technischer Aussetzer oder ein ungeplanter Übergang lässt sich, wenn er denn wirklich eintritt, in der Regel überspielen. Der Gast bleibt an Bord und ist am Ende durch ein rundum gelungenes Event versöhnt.

Der Anspruch, am Bildschirm fixierte Gäste auch nur 90 Minuten ohne Durchhänger in Verbindung zu halten, neben Informationen auch zu unterhalten, zu überzeugen und zu begeistern, ist hoch angelegt und sollte minutiös geplant werden.

Gleichzeitig liegt hierin eine riesige Chance: Die Möglichkeit (verzeihen Sie den weiteren Modebegriff), „Kunden zu Fans zu machen“, liegt virtuell ebenso nahe wie live.

Geben Sie bitte nur nicht einer nahe liegenden Versuchung nach: Der „wir-versuchen-erst- einmal-einen-einfachen-Testballon-und-sammeln-Erfahrung“ – Impuls hat es in sich. Nichts spricht dagegen, Erfahrung zu sammeln. Auch spricht nichts gegen Einfachheit. Sie brauchen nicht viel, Sie brauchen nur „das Richtige“. Sie sollten aber sicher sein, dass Ihre Stakeholder sich nach dem Test auch auf die Fortsetzung freuen. Sparen Sie also gern durch „kurz statt XXL“ – aber nie in der Qualität.

Sofern Sie TV-Serien lieben: Bleiben Sie selbst nach einer enttäuschenden Pilotfolge wirklich dran und gehen davon aus, dass sich das Format schon noch zu maximaler Spannung steigern wird?

Wie lange fesselt Sie eine Talkrunde, bei der in dunkler Lichtstimmung zwei Kameraeinstellungen monoton wechseln und der externe Teilnehmer klingt, als befinde er sich auf der Raumstation MIR? Sie steigen schnell aus und widmen sich anderen Dingen.

Und wie reagieren Sie im umgekehrten Sinn in dieser Situation? Der Tag hat Ihnen schon eine lange, interne Zoom- und zwei weitere Teams-Konferenzen abverlangt. Sie haben über den Tag drei Partnerbetrieben auf der virtuellen Fachmesse beigestanden. Nun haben Sie dann noch das virtuelle Jubiläumsevent Ihres langjährigen Kunden im Kalender. Sie schalten eher pflichtbewusst ein (die Uhr neben der Tastatur). 60 Minuten später tippen Sie überrascht und mit breitem Grinsen im Gesicht bewegt und von Herzen ein DANKE in den Chat. Es war emotional, bewegend, aktivierend, informativ und voll von überraschenden Momenten.

Nun, Sie werden eine positive „fear of missing out“ mit Ihrem Kunden verbinden, Sie werden bei der nächsten Einladung kein JOMO verspüren. Vor allem schalten Sie nicht unbemerkt Chat, Kamera oder was auch immer stumm und sind zwar noch auf der Teilnehmerliste, aber nicht wirklich dabei.

Am Markt etablierten Unternehmen ist ständig bewusst, dass Märkte eben Menschen sind. Und deren Aufmerksamkeit ist schon allein zeitlich begrenzt.

Aktueller Nachtrag: Hatten Sie in den letzten Tagen ganz unerwartet Zeit dafür, sich mit der neuen SocialMedia-Plattform CLUBHOUSE zu beschäftigen? Sind Sie schon „drin“? Hat das damit zu tun, dass Sie die Erfahrung keinesfalls verpassen wollten? Nur für IPhone-User (vorerst). Nur mit Einladung eines Mitglieds (vorerst und wie im echten Klubhaus eben). Willkommen! #FOMO lässt grüßen.

Nur Gutes

Wünscht

Maik Herrmann

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